Ich hab einen Freund, der ist HARTZ 4


in Form von: „Ich hab einen Freund, der ist Bauarbeiter“ etc.


Bei ich hab einen Freund, der ist Bauarbeiter, geht das irgendwie so los:

"Ich hab einen Freund, der ist Bauarbeiter. Er heißt Mario und arbeitet auf der Baustelle, an der ich jeden Tag vorbeikomme..."


Ich habe damals den "HARTZ IV" Marcel genannt (inspiriert von "Mario"), könnte genausogut auch "Marco" oder "Markus" wählen, wenn sich der BbG-Marcel davon sonst zu sehr angesprochen fühlt (ich kannte ihn damals noch nicht).






Jetzt meine Ideen zu dem Buch





Seite 1: Weg, Marcel mit Bierchen vor der Kneipe, Kind kommt vorbei


Ich hab einen Freund, der ist Hartz 4.

Er heißt Marcel und ist arbeitslos.

Oft sitzt er auf der Bank

vor der kleinen Eckkneipe, an der ich auf dem Weg

zum Spielplatz immer vorbeikomme.



Seite 2: Bild vom Jobcenter (z.B. Sickingenstraße)


Heute ist er nicht dort, er hat einen Termin beim Jobcenter.

Das ist ein Haus, wo alle "Hartz 4" oft hingehen müssen.

Sie müssen dort zeigen, wo sie überall eine Arbeit gesucht haben und sich anhören, was sie alles tun müssen.

Wenn sie das nicht machen, kriegen sie kein Geld.

Marcel steht in der Warteschlange mit vielen anderen Menschen und winkt mir zu.



Seite 3: Typisches Bild von einer Warteschlange mit vielen Kopftüchern, Kinderwagen, Leuten in Anzug, Rollstühlen, aufgetakelten Mädels...


Ich laufe zu ihm und wir warten noch eine Weile.

Marcel sagt, er hat einen Termin beim Sachbearbeiter.

Der möchte wissen, warum Marcel zu Haus nicht angetroffen wurde, als man ihn besucht hat. Ob er inzwischen bei seiner Freundin wohnt?

Der Brief ist komisch ausgedrückt, ich verstehe ihn gar nicht.

Marcel ist sehr angespannt. In seinem Berufsalltag als Hartz 4 braucht er starke Nerven.


Warum warten wir hier, Du hast doch einen Termin,“ will ich wissen.

Marcel sagt: „Weil ich auch gleich noch zum Arbetsvermittler möchte wegen einem Angebot in der Kneipe!“

Dort möchte Marcel gern arbeiten, weil er sich da gut auskennt. Der Besitzer ist sein Freund. Er braucht einen, der täglich mitarbeitet, aber er kann nicht viel dafür bezahlen.



Seite 4: Schalter


Dann sind wir am Schalter im Empfangsbereich.

Marcel muss eine ganz lange Nummer vorlesen und seinen Ausweis vorzeigen.

Dann muss er in einen anderen Warteraum gehen.


Seite 5: Wartehalle, Bild von Anzeigetafel und Nummernautomat


Dort zieht er die Nummer 185 aus einem Automaten.

Es gibt eine große Anzeige, auf der steht, wie viele Arbeitslose vor ihm dran sind.

Wir müssen noch 20 Leute abwarten!

"Warum sind so viele Menschen arbeitslos," frage ich Marcel.

"Viele Menschen haben jahrelang in Fabriken gearbeitet und jetzt werden sie dort nicht mehr gebraucht. Der Fortschritt bringt neue Aufgaben mit sich, aber es werden dazu weniger Menschen gebraucht."


Wir treffen Marcels Freund Rolf.

Rolf ist Maurer.

Er ist heute nicht auf der Baustelle, denn er muss eine Eingliederungsvereinbarung unterschreiben.

Sein Maurergehalt reicht nicht für seine Frau und seine Kinder. Daher sind sie alle Hartz 4.

Marcel erklärt mir: "Nicht alle Hartz 4 sind arbeitslos."


Seite 6: Leute im Wartezimmer (Doppelseite...)


Und richtig, hier in der Wartehalle findet man ganz verschiedene Menschen, die eigentlich arbeiten.

Ein Musiker, ein Ingenieur,

ein Kellner, eine Blumenverkäuferin und viele mehr sind Hartz 4.

Sie müssen keine Arbeit suchen wie Marcel, sie brauchen aber mehr Geld. Das nennt man: sie werden aufgestockt.


Manche Leute erinnern mich an das Wartezimmer im Krankenhaus.

Einige haben keine Zähne und andere sitzen im Rollstuhl.

Es sind auch Kinder hier, die mit ihren Eltern zusammen warten.

Ich habe noch keinen Beruf, aber diese Kinder hier sind schon Hartz 4.


Es klingelt: Wir sind dran! Wir gehen zum Arbeitsvermittler.

Der Arbeitsvermittler heißt auch Fallmanager.

Er sagt, Marcel darf nicht für seinen Freund in der Kneipe arbeiten. Arbeit kostet nämlich Geld. Und das soll Marcel bei einer Arbeit verdienen.

Für so wenig Geld soll man nicht so viel Zeit verbrauchen. Marcel würde mit der Arbeit bei seinem Freund nämlich immernoch ein HARTZ4 sein.

Marcel soll ein Bewerbungstraining machen oder anderswo arbeiten, dann verdient er bestimmt bald mehr Geld und ist kein Hartz 4 mehr.


Der Fallmanager nennt ihm eine Küche in einem anderen Stadtteil. Dort kann Marcel 1 EUR pro Stunde dazuverdienen.

"Das ist doch auch wenig Geld," sage ich.

Marcel sieht sehr traurig aus und sagt gar nichts.

Der Fallmanager antwortet mir: Wenn er eine von uns zugewiesene Maßnahme macht, erweckt es nicht den Eindruck, dass Marcel heimlich mehr Geld bei seinem Freund verdienen will.


(Uhr zeichnen, Marcel rennt zum nächsten Raum, Sachbearbeiter-Zimmer).

Marcel muss jetzt schnell zu seinem anderen Termin. Es ist schon Mittagszeit.

Der Sachbearbeiter fragt Marcel sehr persönliche Fragen, die ihn eigentlich nichts angehen. Marcel wurde immer bei seiner Freundin gesehen und soll jetzt seine Wohnung aufgeben.

"Wir finanzieren keine leerstehenden Wohnungen, das ist unangemessen," erklärt der Sachbearbeiter.

Wäre Marcel zu Haus gewesen, als der Besuch kam, hätte er seinen vollen Kühlschrank und sein benutzbares Bett vorzeigen können. Dann hätte man ihm geglaubt, dass er in seiner Wohnung lebt. Aber er war nicht da. "Wer nicht zu Haus ist, erklärt uns der Sachbearbeiter, "ist entweder gar nicht arbeitslos oder lebt bei einem anderen."



(Bild:draußen vor dem Amt. Rauchende Menschen, strenge Security lässt jemanden nicht mehr hinein, Polizeiauto ggf. im Hintergrund)


Endlich sind wir wieder draußen an der frischen Luft. Marcel telefoniert mit seiner Freundin. Sie wollen eine Klage beim Sozialgericht einreichen. Damit jeder seine Wohnung und sein eigenes Geld behalten kann. Ein Hartz 4 muss also auch mal vor Gericht. Marcel muss sehr klug sein und immer dazulernen. Wenn er nicht alles erklärt oder wenn ihm keiner glaubt, gibt es weniger Geld. Das nennt man Sanktionen.


(Bild: Sozial-Kaffee, Second-Hand Laden, alte Lebensmittel, Marcel mit Einkaufsnetz, zeigt an der Kasse seine Hartzi-Karte vor.)


Sein weniges Geld muss Marcel gut einteilen. Er muss immer rechnen.

Bei der "Tafel" kann jeder Hartz 4 billige alte Lebensmittel kaufen.

Ein Hartz 4 kommt auch für den Kinderpreis ins Schwimmbad oder in den Zoo. Das finde sogar ich gut.


(Bild: groß Eingliederungsvereinbahrung bzw. Merkblatt zur Ortsabwesenheit)

Zum Abschluss darf ich noch die Eingliederungsvereinbarung von Marcel ansehen.

All das zu machen, was da drin steht, ist gar nicht so einfach.


Hartz 4 sein ist sehr anstrengend und arbeitsaufwendig. Und spätestens jetzt ist mir klar:

Wenn ich groß bin, will ich kein Hartz 4 sein.

Auch dann nicht, wenn ich arbeitslos bin...


BEDINGUNGSLOSES GRUNDEINKOMMEN!!!